{"id":54,"date":"2015-01-03T20:50:06","date_gmt":"2015-01-03T19:50:06","guid":{"rendered":"http:\/\/serverle.ilw.uni-stuttgart.de\/fheh\/?page_id=54"},"modified":"2015-01-03T20:50:06","modified_gmt":"2015-01-03T19:50:06","slug":"theorie-esoterischer-kommunikation","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/fheh.org\/?page_id=54","title":{"rendered":"Theorie esoterischer Kommunikation"},"content":{"rendered":"<header class=\"entry-header\" style=\"color: #333333;\">\n<p class=\"entry-title\" style=\"font-weight: 500; font-style: inherit;\"><strong>Bearbeitung: Ralf Klausnitzer<\/strong><\/p>\n<\/header>\n<div class=\"entry-content\" style=\"color: #333333;\">\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Gegenstand des Forschungsprojekts sind unterschiedliche Formen der Darstellung und Verbreitung von literarischen und wissenschaftlichen Geltungsanspr\u00fcchen, die gleichwohl eine Gemeinsamkeit aufweisen: Im Gegensatz zu einer (idealiter)\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">universalen<\/em>, an eine uneingeschr\u00e4nkte \u00d6ffentlichkeit oder an eine durch visible Zugangsregeln limitierte Expertenkultur gerichtete Kommunikation, werden literarische Aussagen und Wissensanspr\u00fcche spezifisch\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">limitiert<\/em>\u00a0und\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">partikularisiert<\/em>\u00a0\u2013 zum einen durch Adressierung an eine exklusive Gruppe, zum anderen durch Benutzung eines je eigenen sprachlichen bzw. nichtsprachlichen Regelsystems. Diese je spezifischen Limitationen reagieren auf komplexe kulturelle Problemlagen \u2013 im besonderen auf die Vervielf\u00e4ltigung sowie die Konfrontation von Geltungsanspr\u00fcchen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Gruppenbezogene Adressierung und Reglementierung setzen zugleich einen besonderen Umgang mit sprachlich-zeichenhaft generierten Welten voraus und treiben ihn voran: Zum einen erfordern und entwickeln sie vielf\u00e4ltige Techniken zur Erzeugung von Texteffekten, deren \u00fcbergreifendes Charakeristikum in einer Maximierung von Mehrdeutigkeit durch Anspielungen, Verschleierungen, Verr\u00e4tselungen etc. besteht; zum anderen basieren sie auf permanent weiter entwickelten Techniken zur (gruppenbezogenen) Deutung und Erkl\u00e4rung dieser Mehrdeutigkeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\"><em style=\"font-weight: inherit;\"><span style=\"font-weight: bold; font-style: inherit; color: #666666;\"><br \/>\nAusf\u00fchrlichere Darstellung<\/span><\/em>:<\/p>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Exklusive Adressierungen und Verfahren zur Erzeugung wie zur Aufl\u00f6sung maximierter Mehrdeutigkeiten lassen sich seit der Platonischen Differenzierung von \u201eexoterischer\u201c und \u201eesoterischer Lehre\u201c beobachten und fanden entsprechende wissenschaftliche Aufmerksamkeit. W\u00e4hrend zum fr\u00fchneuzeitlichen Hermetismus sowie zur klandestinen Literatur einer fr\u00fchaufkl\u00e4rerischen \u201eModerne aus dem Untergrund\u201c (Martin Mulsow) inzwischen zahlreiche Untersuchungen vorliegen, steht eine systematische Modellierung dieser Kommunikationsformen und eine historische Rekonstruktion ihrer weiterreichenden Einfl\u00fcsse auf das ausgehende 18. Jahrhundert und die Folgezeit noch aus.<br \/>\nDementsprechend weist das geplante Forschungsvorhaben eine dreifache Zielstellung auf. In einem ersten, auf bereits vorliegenden literatur- und wissenschaftstheoretischen \u00dcberlegungen sowie historischen Recherchen basierenden Schritt sollen spezifisch limitierte Adressierungen von literarischen und wissenschaftlichen Geltungsanspr\u00fcchen systematisch modelliert werden. Neben der Beschreibung und Erkl\u00e4rung \u00fcbergreifender Voraussetzungen, Verfahren und Verlaufsformen f\u00fcr gruppenbezogene Limitationen geht es dabei zugleich um eine heuristisch tragf\u00e4hige Abgrenzung von esoterischer, hermetischer und klandestiner Kommunikation, denn allein begriffliche Klarheit vermag dem inzwischen weitgehend metonymisch \u00fcberdehnten Gebrauch dieser Termini anschlu\u00dff\u00e4hige Konkretion entgegenzusetzen. In einem zweiten, nun eigene historische Recherchen erfordernden Schritt werden die so gewonnenen Pr\u00e4zisierungen auf kulturelle Konstellationen angewandt, deren Pr\u00e4gung bzw. Beeinflussung durch esoterische, hermetische und klandestine Verkehrsformen bislang erst in Anf\u00e4ngen erforscht ist:<br \/>\n(a) die Phase zwischen 1770-1830, in der sich die aufgekl\u00e4rte \u201eGelehrtenrepublik\u201c in ein von divergierenden \u201eFactionen\u201c gepr\u00e4gtes Literatursystem sowie in ein disziplin\u00e4r gegliedertes Wissenschaftssystem transformierte;<br \/>\n(b) die Phase zwischen 1890 und 1930, in der ein als Krise wahrgenommener Beschleunigungs- und Vervielf\u00e4ltigungsproze\u00df in Literatur- und Wissensproduktion (im Verbund mit Atomisierungs- und Dissoziationserfahrungen, zunehmender Un\u00fcbersichtlichkeit und Unanschaulichlichkeit etc.) zu verst\u00e4rkten Gruppenbildungen mit z.T. weitreichenden Abschlie\u00dfungsformen und -verfahren f\u00fchrte.<br \/>\nAuf beide Situationen sind analoge Fragestellungen anzuwenden, um soziale Praktiken der Konstruktion von Gruppenidentit\u00e4ten durch explizite und implizite Formen der Inklusion\/ Exklusion und kognitive Mechanismen zur distinkten Markierung von Wissensanspr\u00fcchen materialges\u00e4ttigt rekonstruieren zu k\u00f6nnen.<br \/>\nDer dritte und abschlie\u00dfende Schritt besteht in einer Verkn\u00fcpfung der gewonnenen Einsichten mit Fragestellungen nach Leistungen und Erkenntnism\u00f6glichkeiten einer \u201eSozialen Epistemologie\u201c, welche die Wissensproduktion in sozialen Zusammenh\u00e4ngen zu rekonstruieren sucht und deren zentrale Begriffe wie Autorit\u00e4t, Glaubw\u00fcrdigkeit und Vertrauen dazu beitragen k\u00f6nnen, die Akzeptanz begr\u00fcndeten Wissens gegen\u00fcber beliebigen \u00dcberzeugungen zu beschreiben, zu deuten und zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\"><span style=\"font-weight: bold; font-style: inherit; color: #666666;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: bold; font-style: inherit; color: #666666;\"><em style=\"font-weight: inherit;\">Verkn\u00fcpfungen<\/em><\/span><\/p>\n<ul style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">\n<li style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\"><a style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit; color: #333333;\" title=\"Darstellungsformen der Vermittlung wissenschaftlicher Wissensanspr\u00fcche\" href=\"https:\/\/fheh.org\/?page_id=320\">Darstellungsformen der Vermittlung wissenschaftlicher Wissensanspr\u00fcche<\/a><\/li>\n<li style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Konsens und Dissens: Konzeptionen epistemischer Intersubjektivit\u00e4t<\/li>\n<li style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\"><a style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit; color: #333333;\" title=\"Intellektuelle Konflikte: Epistemologie und Rhetorik\" href=\"https:\/\/fheh.org\/?page_id=48\">Intellektuelle Konflikte: Epistemologie und Rhetorik<\/a><\/li>\n<li style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\"><a style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit; color: #333333;\" title=\"Auctoritas und Testimonium: Epistemologien der Glaubw\u00fcrdigkeit und des Vertrauens\" href=\"https:\/\/fheh.org\/?page_id=43\"><em style=\"font-weight: inherit;\">Auctoritas<\/em>\u00a0und\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Testimonium<\/em>: Konzeptionen der Glaubw\u00fcrdigkeit und des Vertrauens<\/a><\/li>\n<li style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\"><a style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit; color: #333333;\" title=\"Popularisierung von Wissen\" href=\"https:\/\/fheh.org\/?page_id=56\">Popularisierung von Wissen<\/a><\/li>\n<li style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\"><a style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit; color: #333333;\" title=\"List, L\u00fcge und die Logik von Wissen und Verstehen im 17.\/ 18. Jahrhundert\" href=\"https:\/\/fheh.org\/?page_id=411\">List, L\u00fcge und die Logik von Wissen und Verstehen im 17.\/ 18. Jahrhundert<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\"><span style=\"font-weight: bold; font-style: inherit; color: #666666;\">Kontakt:\u00a0<\/span><a style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit; color: #333333;\" title=\"Klausnitzer, Ralf\" href=\"https:\/\/fheh.org\/?page_id=2242\">Ralf Klausnitzer<\/a><\/p>\n<\/div>\n<footer class=\"entry-footer\" style=\"color: rgba(51, 51, 51, 0.701961);\"><\/footer>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bearbeitung: Ralf Klausnitzer Gegenstand des Forschungsprojekts sind unterschiedliche Formen der Darstellung und Verbreitung von literarischen und wissenschaftlichen Geltungsanspr\u00fcchen, die gleichwohl eine Gemeinsamkeit aufweisen: Im Gegensatz zu einer (idealiter)\u00a0universalen, an eine uneingeschr\u00e4nkte \u00d6ffentlichkeit oder an eine durch visible Zugangsregeln limitierte Expertenkultur gerichtete Kommunikation, werden literarische Aussagen und Wissensanspr\u00fcche spezifisch\u00a0limitiert\u00a0und\u00a0partikularisiert\u00a0\u2013 zum einen durch Adressierung an eine exklusive [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":21,"menu_order":6,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/fheh.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/54"}],"collection":[{"href":"https:\/\/fheh.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/fheh.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fheh.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fheh.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=54"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/fheh.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/54\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3223,"href":"https:\/\/fheh.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/54\/revisions\/3223"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fheh.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/21"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/fheh.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=54"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}