{"id":409,"date":"2015-01-04T15:25:08","date_gmt":"2015-01-04T14:25:08","guid":{"rendered":"http:\/\/serverle.ilw.uni-stuttgart.de\/fheh\/?page_id=409"},"modified":"2015-01-04T15:25:08","modified_gmt":"2015-01-04T14:25:08","slug":"die-hermeneutica-generalis-johann-claubergs","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/fheh.org\/?page_id=409","title":{"rendered":"Die hermeneutica generalis Johann Claubergs"},"content":{"rendered":"<div class=\"entry-content\" style=\"color: #333333;\">\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\"><span style=\"font-weight: bold; font-style: inherit; color: #666666;\">Bearbeitung: Lutz Danneberg<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Johann Claubergs Lebensspanne f\u00e4llt in eine Zeit an\u00adhal\u00adtender konfes\u00adsioneller und machtpolitischer Kon\u00adflikte in Mitteleuropa. Der Drei\u00ad\u00dfig\u00adj\u00e4hrige Krieg, der wech\u00adselweise die L\u00e4nder des Deut\u00adschen Reiches in Mitleidenschaft zieht und dabei zahl\u00adreiche Ge\u00adlehrte zur Flucht treibt oder ex\u00adpatriiert, ist fortw\u00e4hrend pr\u00e4sent. Kaum ist Clauberg ein hal\u00adbes Jahr alt, wird Hei\u00addelberg erobert und zahl\u00adreiche refor\u00admier\u00adte Uni\u00adver\u00adsi\u00adt\u00e4ts\u00adangeh\u00f6rige verlassen die Stadt. Die Uni\u00adver\u00adsit\u00e4t h\u00f6rt fak\u00adtisch auf zu be\u00adstehen, und die be\u00adr\u00fchmte\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Bib\u00adliotheca Palatina<\/em>\u00a0wird im Zuge der Er\u00adoberung ge\u00adraubt und nach Rom ge\u00adbracht, was indes ihren defini\u00adtiven Verlust sieb\u00adzig Jahre sp\u00e4ter verhindert haben d\u00fcrf\u00adte. Von solchen Wirrnissen und kriegeri\u00adschen Aus\u00adein\u00adan\u00adder\u00adsetzungen scheint Clauberg auf den Stationen seiner Aus\u00adbildung je\u00addoch nicht di\u00adrekt be\u00adtrof\u00adfen zu sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Er ist gerade auf seiner\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">pe\u00adregrinatio academica<\/em>, als im West\u00adf\u00e4lischen Frie\u00adden der Krieg mit der Be\u00adst\u00e4\u00adtigung des Augs\u00adburger Re\u00adli\u00adgions\u00adfrie\u00addens von 1555 beendet wird, nun al\u00adlerdings un\u00adter Ein\u00adschluss der Refor\u00admier\u00adten bzw. Cal\u00advinisten, mithin Clau\u00adbergs Kon\u00adfession. Seine Le\u00adbenszeit war kurz bemes\u00adsen: Die Gr\u00fcn\u00addung der Lon\u00addoner\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Royal Society<\/em>\u00a0hat er noch er\u00adlebt, die der\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Acad\u00e9\u00admie Royale des Sciences<\/em>schon nicht mehr, in der allerdings Car\u00adte\u00adsianer wie Jesuiten nicht zugelassen wa\u00adren \u2013 nicht wegen spe\u00adzieller \u00dcberzeugungen, son\u00addern als Parteig\u00e4nger rigi\u00adder philosophischer und religi\u00f6ser Ansichten. Viele seiner Freunde \u00fcber\u00adlebten ihn, mitunter um vier\u00adzig Jahre, so auch seine Frau.<\/p>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Glei\u00adchen Jahr\u00adgangs wie Clau\u00adberg war Jakob Tho\u00admasius (1622-1684), der in sei\u00adner<em style=\"font-weight: inherit;\">Physica perpetua Dialogo<\/em>\u00a0von 1670 ausf\u00fchrlicher auf ihn eingehen wird. Sei\u00adnen Sohn, Christian Thomasius (1655-1728), wird die Logikauffassung Claubergs beeinflus\u00adsen, und sein ber\u00fchmtester Sch\u00fcler, Gott\u00adfried Wilhelm Leib\u00adniz (1646-1716), h\u00e4tte ein Brief\u00adpartner Claubergs wer\u00adden k\u00f6n\u00adnen. Doch als Leibniz 1666 an der phi\u00adlosophischen Fakult\u00e4t in Leipzig mit der\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Dispu\u00adtatio Arith\u00admetica de com\u00adplexio\u00adni\u00adbus<\/em>, sp\u00e4ter er\u00adwei\u00adtert als\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Dis\u00adsertatio de arte com\u00adbi\u00adnatoria<\/em>, habi\u00adli\u00adtiert und ein Jahr sp\u00e4ter in Altdorf zum Doktor der bei\u00adden Rechte pro\u00admo\u00adviert, lebt Clauberg schon nicht mehr. Es sind bei Leibniz nicht mehr ge\u00adblieben als einige Kundgaben der Kenntnis \u2013 \u201eClaubergius est Car\u00adte\u00adsii para\u00adphra\u00adstes\u201c \u2013 und der Wert\u00adsch\u00e4tzung: \u201e<em style=\"font-weight: inherit;\">Car\u00adtesius<\/em>\u00a0vo\u00adluit emen\u00adda\u00adre quae\u00addam in Phy\u00adsicis, displicet ta\u00admen au\u00adda\u00adcia &amp; fastus ni\u00admius, con\u00adjunc\u00adtus cum styli ob\u00adscu\u00adri\u00adtale, con\u00adfu\u00adsione, male\u00addi\u00adcen\u00adtia.\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Clauber\u00adgi\u00adus<\/em>, dis\u00adci\u00adpu\u00adlus ejus, pla\u00adnus, per\u00adspi\u00adcuus, bre\u00advis, me\u00adtho\u00addi\u00adcus\u201c. F\u00fcr Leib\u00adniz ist er\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">magistro clarior<\/em>, wobei Clauberg bei diesem Urteil sicherlich auch von Abgrenzungs\u00adbem\u00fchungen profi\u00adtiert, die Leibniz ge\u00adgen\u00fcber Ren\u00e9 Descartes un\u00adternimmt, und davon, dass der junge Leibniz eben\u00adfalls um eine \u201ereconciliatio Ari\u00adstotelis et rescen\u00adtiorum Philosophorum\u201c bem\u00fcht ist. Zu\u00addem wird be\u00adrich\u00adtet, Leib\u00adniz habe sich sp\u00e4ter \u2013 vergeblich \u2013 um den Er\u00adwerb des Wer\u00adkes\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">De caussis Germani\u00adcae Linguae<\/em>\u00a0aus dem Nachlass Clau\u00adbergs bem\u00fcht. In sei\u00adnen \u00dcber\u00adle\u00adgungen zur Ver\u00adbesserung der Enzy\u00adklop\u00e4die Jo\u00adhann Hein\u00adrich Al\u00adsteds (1588-1638) will sich Leibniz neben der Logik von Joachim Jun\u00adgius (1587-1657) und der von Port-Royal auch auf die\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Logica vetus &amp; nova<\/em>\u00a0Claubergs st\u00fct\u00adzen, die als\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">quadri\u00adpartita<\/em>\u00a0zu\u00aderst 1654 er\u00adscheint.<\/p>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">So kurz seine Lebensspanne auch bemessen war, Clauberg hat ein stattliches<span style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">\u0152uvre hinterlassen \u2013 in der Zeit al\u00adler\u00addings nicht au\u00dferge\u00adw\u00f6hnlich. Bartho\u00adlo\u00admaeus Kec\u00adker\u00admann (1571\/2-1609) ist f\u00fcr den Be\u00adginn des Jahr\u00adhun\u00adderts ein \u00fcberra\u00adgendes Beispiel. Clauberg sind zwei Jahre weniger als Bene\u00addictus de Spi\u00adnoza (1632-1677) ge\u00adgeben und in dem Alter, in dem er stirbt, hat Thomas Hobbes (1588-1679) noch kein einziges phi\u00adlo\u00adso\u00adphisches Werk ver\u00f6ffentlicht und es liegt gerade die erste Pu\u00adblikation Des\u00adcartes\u2018 vor. Clau\u00adberg war we\u00adder ein fr\u00fch\u00adbe\u00adgab\u00adter noch ein fr\u00fch\u00advoll\u00aden\u00addeter. Das The\u00adma, um das sein phi\u00adlo\u00adso\u00adphi\u00adsches Werk im wesentlichen kreist, ist die Aus\u00adein\u00adan\u00addersetzung mit der cartesianischen Phi\u00adlosophie. Das hat die Er\u00adinnerung an sei\u00adne philosophi\u00adsche Lei\u00adstung bewahrt, aber auch ein\u00adge\u00adschr\u00e4nkt. Hei\u00dft es bei Christian Wolff (1679-1754) noch posi\u00adtiv \u201eoptimus om\u00adnium confes\u00adsione Car\u00adtesii inter\u00adpres\u201c und z\u00e4hlt er Clauberg immerhin zu den Car\u00adte\u00adsianern, welche die Fehler der scho\u00adlastischen Philo\u00adsophie er\u00adkannt h\u00e4tten, sie aber nicht beheben konn\u00adten, gilt er sp\u00e4\u00adteren nur \u00admehr als er\u00adster ,Dol\u00admetscher\u2019 der car\u00adte\u00adsianischen Phi\u00adlo\u00adso\u00adphie in Deutsch\u00adland. Das hat die ein\u00adschl\u00e4gige Forschung in verschiedener Hin\u00adsicht mittlerweile zu kor\u00adri\u00adgieren ge\u00adwusst.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Nicht besser stand es, wenn sein Name mit dem Hinweis auf die an\u00adgeb\u00adliche Kreie\u00adrung des Ausdrucks\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">on\u00adtologia<\/em>\u00a0als\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">ter\u00admi\u00adnus techni\u00adcus<\/em>\u00a0von den \u00dcber\u00adblicks\u00addar\u00adstellungen oder Nachschlagewerken in die K\u00f6pfe der Leser geriet. Die bi\u00adbli\u00ado\u00adthe\u00adka\u00adrische Su\u00adche nach extraordin\u00e4ren Ter\u00admini, die zum er\u00adsten Mal im Ti\u00adtel von phi\u00adlo\u00adso\u00adphischen Werken auf\u00adtreten, bildet eine der Schwund\u00adstu\u00adfen in der Be\u00adsch\u00e4f\u00adtigung mit der Ge\u00adschichte der Philo\u00adsophie. Sie wurde vor geraumer Zeit im Zuge der Iden\u00adti\u00adfizierung des Aus\u00addrucks\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">hermeneu\u00adtica<\/em>\u00a0im\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Ti\u00adtel<\/em>\u00a0ei\u00adnes Werkes zur sa\u00adkralen Ausle\u00adgungslehre \u2013 zeitgleich zu Clau\u00adberg \u2013 zum Anlass f\u00fcr ausgrei\u00adfende Spe\u00adku\u00adlationen ge\u00adnom\u00admen, die indes nur erken\u00adnen las\u00adsen, dass es an phi\u00adlo\u00adso\u00adphie\u00adhi\u00adsto\u00adri\u00adschen Kennt\u00adnissen man\u00adgelt und wohl kaum l\u00e4nger der Blick in einem der be\u00adtref\u00adfenden Werke ver\u00adweilt hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Selbst wenn man die Leistungen Claubergs anerkannte, in ihm einen \u201aSelbst\u00adden\u00adker\u2018 zu sehen vermochte, dessen Vor\u00adtr\u00e4\u00adge sich wegen ihrer \u201eDeutlichkeit\u201c und \u201eOrd\u00adnung\u201c aus\u00adzeichnen und der cartesiani\u00adschen Philosophie nicht we\u00adnige er\u00adg\u00e4nzende Konturen verliehen habe, so schwingt doch oft\u00admals das Bedauern mit, seine Bin\u00addung an die car\u00adte\u00adsianische Phi\u00adlosophie habe ihn um tiefere Einsich\u00adten ge\u00adbracht. Wie dem auch sei \u2013 zu ber\u00fcck\u00adsich\u00adtigen bleibt, dass ein Gro\u00df\u00adteil sei\u00adner philo\u00adso\u00adphi\u00adschen Werke auf Kon\u00adstel\u00adla\u00adtionen in seiner engeren und weiteren intellek\u00adtuellen Um\u00adge\u00adbung reagieren. So ist der betr\u00e4cht\u00adlichste Teil sei\u00adner Schriften zur Verteidigung und Er\u00adl\u00e4u\u00adterung der philo\u00adso\u00adphi\u00adschen \u00dcber\u00adzeu\u00adgun\u00adgen Descartes\u2018 sol\u00adchen Konstella\u00adtionen ge\u00adschuldet. Anders als in der Ge\u00adgen\u00adwart taten sich in der er\u00adsten H\u00e4lf\u00adte des 17. Jahr\u00adhun\u00adderts die\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">no\u00advatores<\/em>, die\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">neo\u00adterici<\/em>schwer, ihre In\u00adno\u00advation zu ver\u00adtei\u00addi\u00adgen, da die Rechtfer\u00adtigung von Wis\u00adsens\u00adan\u00adspr\u00fc\u00adchen in beson\u00adderer Weise an die Kon\u00adfor\u00admi\u00adt\u00e4t mit Aussagen in mehr oder we\u00adniger autori\u00adta\u00adtiven Tex\u00adten gebunden war. Inno\u00adva\u00adti\u00adonen gilt es in der Zeit, mit der Tra\u00addition zu ver\u00adkn\u00fcpfen. Clau\u00adbergs\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">lo\u00adgica<\/em>\u00a0ist eben\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">ve\u00adtus<\/em>\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">&amp;<\/em>\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">nova<\/em>, oder \u2013 auf den Punkt gebracht \u2013 \u201eAri\u00adsto\u00adte\u00adlico-car\u00adte\u00adsi\u00ada\u00adna\u201c. Er fun\u00adgiert wie viele an\u00addere als<em style=\"font-weight: inherit;\">Conciliator inter Ari\u00adstotelem et Recentiores<\/em>. Zu dieser Zeit sind Be\u00adgr\u00fcn\u00addun\u00adgen immer auch Anspr\u00fcche auf An\u00adciennit\u00e4t intertex\u00adtueller Be\u00adz\u00fcge; dem kann sich auch ein ,Cartesianer\u2019 nicht verschlie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Seit dem 16. Jahrhundert h\u00e4ufen sich in unterschiedlichen Be\u00adreichen Ver\u00adsuche, zu\u00adn\u00e4chst als di\u00adver\u00adgie\u00adrend oder ge\u00adgens\u00e4tzlich erscheinende Auffassungen und Lehr\u00adtra\u00addi\u00adtionen einer\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Harmonie<\/em>\u00a0zuzuf\u00fchren, zu kon\u00adzilieren. Dass Des\u00adcartes\u2018<span style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">\u0152uvre un\u00adter der Feder Clau\u00adbergs (aber auch an\u00adderer sei\u00adner An\u00adh\u00e4nger) mit\u00adunter aristo\u00adte\u00adlischer aus\u00adf\u00e4llt, als man es sp\u00e4ter sieht und heute in das nach\u00adre\u00adfor\u00adma\u00adto\u00adrische Jahr\u00adhundert ein\u00adzu\u00adord\u00adnen pflegt, dass eine Auf\u00adnahme der carte\u00adsi\u00adanischen Phi\u00adlo\u00adsophie auf\u00adgel\u00f6st in ein\u00adzelne Sen\u00adten\u00adzen, den in\u00adte\u00adgralen Versuch eines Neu\u00adansatzes teil\u00adweise zu verwi\u00adschen droht, dass grund\u00ads\u00e4tzliche Span\u00adnun\u00adgen, die das cartesianische Phi\u00adlo\u00adso\u00adphie\u00adren kenn\u00adzei\u00adchnen m\u00f6\u00adgen, ohne Nach\u00adklang bleiben, dass die Angleichungs\u00adbewegungen mit\u00adunter an die Tri\u00advia\u00adli\u00adsierung von ent\u00adscheidenden Mo\u00admenten einer\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">neuen<\/em>\u00a0Phi\u00adlosophie gren\u00adzen, wird heute ebenso we\u00adnig wun\u00addern wie seinerzeit die Ver\u00adkn\u00fcp\u00adfung von Auf\u00adfassungen Des\u00adcartes\u2018 mit denen Ba\u00adcons oder Gas\u00adsen\u00addis.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Den Ausgangspunkt f\u00fcr das Projekt bildet der Umstand, dass Claubergs\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Logica vetus &amp;<\/em>\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">nova<\/em>\u00a0als ihren dritten von vier Teilen (<em style=\"font-weight: inherit;\">quadripartita<\/em>) eine Hermeneutik enth\u00e4lt. Freilich ist Clauberg nicht der erste, der eine\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">hermeneutica<\/em>\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">generalis<\/em>verfasst hat und ihr einen Platz in einem Lehrbuch der Logik geschaffen hat \u2013 also in einem Werk, in denen in der Zeit das geboten wird, was sich als eigen Art Wissenschaftslehre auffassen l\u00e4sst. Ein Moment freilich l\u00e4sst gerade das \u00fcberraschend erscheinen: Der als Theologe wie als Philosoph ausgebildete Clauberg unternimmt das vor einem ausgesprochen cartesianischen philosophischen Hintergrund. Es \u00fcberrascht bei einem so dezidierter Anh\u00e4nger eines Philosophen, der aus seiner Ablehnung der Wissensgewinnung aus dem Lesen von (fremden) B\u00fcchern keinen Hehl macht und der, wenn auch eher am Rande, zwischen der\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">cognitio historica<\/em>\u00a0und der\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">cognitio philsophica<\/em>unterscheidet hat und dem die Philologen nicht mehr als ein historisches Wissen \u00fcber\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">opiniones<\/em>, nicht aber \u00fcber die\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">veritas<\/em>, zu bieten verm\u00f6gen. An einer Stelle in seiner\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Logica<\/em>\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">vetus &amp; nova<\/em>\u00a0hei\u00dft es: Uns lege bereits die Vernunft nahe, die Auffassung eines Autors eher durch seinen Sch\u00fcler als durch seinen Gegner in Erfahrung zu bringen \u2013 eine Variation auf: \u201eJeder beurteilt dasjenige richtig, was er kennt, und ist darin ein guter Richter\u201c (Aristoteles,\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Nik Eth<\/em>, I, 1). Clauberg f\u00e4hrt fort: Wie n\u00e4mlich ir\u00adgend\u00adein Franzose einen Spanier, mit dem er im Krieg liegt, dem Betrachter kaum anders vor Augen stellen kann als in gro\u00adtesker Gestalt und Erscheinung auf einer Theater\u00adb\u00fchne; ebenso geschieht nicht selten, dass ein Gegner \u2013 weil er gierig nach dem greift, was er verspotten kann \u2013 dem Autor Ansichten unterstellt, die dieser nicht vertritt. Des\u00adgleichen ereignet es sich oft, dass ein Gegner dem Leser die An\u00adsichten des Autors vollkommen ungereimt beschreibt, damit er sie um so leichter widerlegen kann. Daher befindet sich derjenige im Irrtum, der glaubt, dass man \u00fcber die Ansichten des Aristoteles bei Ramus oder \u00fcber die Ansichten des Descar\u00adtes bei denjenigen informiert werden k\u00f6nne, die sich ihm bis heute eher aus Lei\u00addenschaft als aus Vernunft\u00adgr\u00fcnden widersetzt haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Gegen solche\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">caluminatores<\/em>, die freilich mittlerweile nur dem Fachgelehrten wenigstens dem Namen nach vertraut sind, verteidigt Clauberg seinen philosophischen Meister, obgleich er katholisch ist und zudem noch \u2013\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">horribile<\/em><em style=\"font-weight: inherit;\">dictu<\/em>\u00a0\u2013 eine jesuitische Erziehung genoss, in nicht wenigen Schriften. Aber auch in seiner Hermeneutik zeigen Spuren davon. Freilich ist in ihr diese Bezugnahme auf den philosophischen Meister nur subkutan und l\u00e4sst sich nur indirekt ermitteln, etwa wenn Clauberg eine Anweisung zum richtigen Lesen darlegt, die Descartes im Hinblick auf die aufmerksame und gr\u00fcndlichen Lekt\u00fcre seiner\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">eigenen<\/em>\u00a0Schrift gelegentlich formuliert hat. Doch reicht das mitnichten aus, um zu erkl\u00e4ren, weshalb in einer cartesianisch-aristotelischen Logik, wobei weder bei dem einen noch bei dem anderen das eine Vorpr\u00e4gung besitzt, die\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">hermeneutica<\/em>\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">generalis<\/em>\u00a0nicht nur erw\u00e4hnt wird und ihre Lehrst\u00fccke mehr oder weniger sporadisch abgehandelt werden, sondern sie einen<em style=\"font-weight: inherit;\">systematisch<\/em>\u00a0begr\u00fcndeten Platz in dem Aufbau dieser Logik einnimmt. Um das zu erkl\u00e4ren, muss freilich weit ausgeholt werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Dazu geh\u00f6rt seine Ausbildung, die er am illustren Gymnasium in Bremen nach dem Niedergang Herborns eine der bedeutendsten Bildungsst\u00e4tten der Reformierten im deutschsprachigen Raum, und das den Universit\u00e4ten kaum nachstand, freilich kein Promotionsrecht besa\u00df. Der Einfluss in den Niederlanden, wo er sein Studium der cartesianischen Philosophie in einer Gruppe gleichgesinnter Theologen und Philosophen unternimmt. Sodann die Eindr\u00fccke, die er auf seiner\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">pe\u00adregrinatio academica<\/em>\u00a0sammelt, die ihn nach Paris, aber auch London f\u00fchrt, vor allem aber an die Akademie von Saumur, einer der Eliteschulen der Hugenotten, nicht zuletzt durch seinen Lehrer dort Moise Amyraut (1596-1664). Sp\u00e4ter dann an seiner Wirkungsst\u00e4tte, der neugegr\u00fcndeten Universit\u00e4t in Duisburg. In diesen intellektuellen Welten und Stationen wird er nicht wenigen mehrfach begegnen, nicht wenige haben Einfluss auf ihn, wie etwa der ebenfalls im Bremer Gymnasium ausgebildete, aber schon fr\u00fcher in die Niederlande gegangene Coccejus (1603-1669) \u2013 zur Zeit Claubergs bereits eine theologische Ber\u00fchmtheit und der auch auf Claubergs Hermeneutikvorstellung nicht ohne Einfluss geblieben ist. Sp\u00e4ter, am Ende des S\u00e4kulums und durchg\u00e4ngig im 18. Jahrhundert, ist der Name sprichw\u00f6rtlich geworden (<em style=\"font-weight: inherit;\">principia<\/em>\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Cocceji<\/em>) f\u00fcr das\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">\u00dcberinterpretieren<\/em>\u00a0der Heiligen Schrift, des<em style=\"font-weight: inherit;\">sensus<\/em>\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">fecundus\u00a0<\/em>oder<em style=\"font-weight: inherit;\">\u00a0latius<\/em>, der Sinnabundanz, angesichts seiner Maxime\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Verba scripturae tantum significant ubique, quantum significare possunt<\/em>. In der Tat gibt es Begr\u00fcndungen, bei denen sich der ,Cartesianismus\u2019 mit dem ,Coccejanismus\u2019 im Werk Claubergs verbindet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Claubergs Lebensweg haben zahlreiche Gelehrten gekreuzt und mehr oder weniger lange begeleitet; darunter sind erstaunlich viele Philologen, mit denen er Umgang gepflegt hat. Ein gl\u00fccklicher Umstand erleichtert die Spurensuche: Anders als sein philosophischer Meister findet sich in Claubergs Werken eine F\u00fclle von Bezugnahmen, die mehr oder weniger explizit sind \u2013 nicht nur im Blick auf Zeitgenossen oder erst vor kurzem verstorbene Philosophen (wie Bacon), sondern auch neu zug\u00e4nglich gewordenem (wie Maimonides). Als Cartesianer, zumindest der ersten Generation, konnte man durchaus ,gelehrt\u2019 sein. Clauberg scheint zudem an einigen seiner Werke noch nach ihrer Ver\u00f6ffentlichung gearbeitet zu haben \u2013 \u00fcbrigens ist ihre Verbreitung erstaunlich, durch sie selbst wie durch Bearbeitung und Kommentierungen (das Projekt versucht, denen auch ein vollst\u00e4ndige Aufnahme der Schriften Claubergs samt ihrer Ausgaben). Seinem Sohn ist es zu danken, dass ihre Ausgabe in der (nicht vollst\u00e4ndigen) Sammlung seiner\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">opera omnia<\/em>\u00a0auch Zutaten aus den Manuskripten Claubergs enth\u00e4lt und oft handelt es sich dabei um Verweise.<\/p>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Neben Frans Burmann (1628-1679), Antonius Perizonius (Voor\u00adbroek 1626-1672)<em style=\"font-weight: inherit;\">,<\/em>Friedrich Georg Graevius (1632-1703)<em style=\"font-weight: inherit;\">,\u00a0<\/em>Johann Friedrich Gronovius (1611-1671) und vor allem neben Tobias Andreae (1604-1676) sowie anderen ist es ein einziger, ebenfalls zugleich Theologe und Philosoph, der eine besondere Stellung einnimmt: Es ist Claubergs Freund Christoph Wittich (1625-1687). Sein Werk, das freilich eine eigene W\u00fcrdigung verdient, bietet Aufschl\u00fcsse \u00fcber Claubergs Ansichten, da gleichsam in Arbeitsteilung Wittich Themen ausf\u00fchrlich er\u00f6rtert, die Clauberg mehr oder weniger in seinen Werken nur streift \u2013 das was Wittich in seinem Abschiedsgedicht auf Clauberg schreibt, h\u00e4tte dieser auch auf ihn schreiben k\u00f6nnen: \u201eEr war mein ander Ich nun lange zeit gewesen\/ Wir hatten manches buch zusammen durch gelesen.\u201c Das wichtigste Thema f\u00fcr die Hermeneutik ist der Gedanke der Akkommodation, des\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">sensus<\/em>\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">accommodatus<\/em>. In verschiedener Hinsicht findet sich ist bereits als\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">condescensio\u00a0<\/em>bei den Kirchenv\u00e4tern, es findet sich bei Thomas von Aquin ebenso wie bei Calvin, nun aber in der Mitte des 17. Jahrhunderts betont verstanden als eine\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">situative<\/em>Herblassung Gottes in der Heiligen Schrift\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">ad captum vulgi<\/em>. \u00c4hnliche Auffassungen hat es sehr vereinzelt bereits im 16. Jahrhundert gegeben, sie finden sich bei Kepler ebenso wie bei Galilei \u2013 immer angesichts des Widerstreits zwischen neuerer heliostatischer Theorien und dem\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">sensus<\/em>\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">litteralis<\/em>\u00a0der Heiligen Schrift.<\/p>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Die Behebung des Konflikts zwischen\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">sensus<\/em>\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">litteralis<\/em>\u00a0und neuem Wissen geschieht unter anderem, indem man den patristischen Gedanken der Akkommodation zwar aufgreift, ihn aner an die ver\u00e4nderte Problemsituation anpasst. In die einfachste Formel gebracht: Es handelt sich darum das Problem zu l\u00f6sen, die Zust\u00e4ndigkeit der Heiligen Schrift hinsichtlich bestimmter Wissensanspr\u00fcche einzuschr\u00e4nken, ohne dass ihre Autorit\u00e4t und Dignit\u00e4t Einbu\u00dfen erleiden \u2013 es handelt sich hier um eine Variante des allgemeinen Autorit\u00e4tsproblems: Etwas an Autorit\u00e4t zu nehmen, ohne damit seine ganze Autorit\u00e4t zu zerst\u00f6ren. Das Problem l\u00e4sst sich (in einer bestimmten epistemischen Situation) nur l\u00f6sen, wenn man diesen Mangel der Heiligen Schrift als nur scheinbar oder so erkl\u00e4ren kann, dass er ihr nicht wirklich abtr\u00e4glich ist. Das, was diesem Gedanken im niederl\u00e4ndischen Umfeld seine besondere Sprengkraft verleiht, ist die Verbindung mit der cartesianischen Philosophie; kurzum mit der Unterscheidung zwischen\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">cognitio<\/em>\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">communis<\/em>\u00a0(auch<em style=\"font-weight: inherit;\">vulgaris<\/em>) und\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">cognitio<\/em>\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">philosophica<\/em>\u00a0(auch\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">accurata<\/em>), und zwar in vierfacher Hinsicht: hinsichtlich der\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Wissenstr\u00e4ger<\/em>\u00a0\u2013 das allgemeine Wissen richte sich an alle, das philosophische beschr\u00e4nke sich auf die Vertreter der Profession (der jeweiligen Disziplin); hinsichtlich der\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Mittel<\/em>\u00a0der Wissens-Erlangung \u2013 bei jenem st\u00fcnden sie allen zur Verf\u00fcgung, bei diesem sei die Befreiung von Vorurteilen mittels der gesunden Vernunft sowie ein bestimmtes Ma\u00df an Aufmerksamkeit erforderlich; hinsichtlich des\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Nutzens<\/em>\u00a0und des\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Ziels<\/em>\u00a0der Betrachtung \u2013 der Gegenstand der allgemeinen Wissensanspr\u00fcche sei aufgrund seines Bezuges auf die Sinne und das Leben allen gemeinsam, demgegen\u00fcber beziehe sich das philosophische Wissen auf die Ursachen oder die absoluten Dinge; schlie\u00dflich hinsichtlich des\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Gewi\u00dfheitsgrades<\/em>\u00a0\u2013 jene m\u00fcsse sich mit Probabilit\u00e4ten im Status der Meinung bescheiden, kann keine gewu\u00dfte Wahrheit beanspruchen, diese biete mit der\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">certitudo metaphysica<\/em>\u00a0h\u00f6chste (menschlich) erreichbare Gewi\u00dfheit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Der Knackpunkt ist dabei \u2013 mehr oder weniger ausgesprochen: Gottes Akt der Herablassung in seinen Schriften wird (freilich zun\u00e4chst im wesentlichen nur f\u00fcr das Alte Testament und nur in Fragen der Naturdinge)\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">historisiert<\/em>. Seine Herablassung betrifft nur diejenigen, die \u00fcber die\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">cognitio communis<\/em>\u00a0(in Naturdingen) nicht hinauskommen; zugleich aber gibt es solche, das sind die Philosophen, die mit ihrer\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">cognitio<\/em>\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">philosophica<\/em>\u00a0dar\u00fcber hinaus kommen und f\u00fcr alle die, die \u00fcber ei\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">cognitio<\/em>\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">philosophica<\/em>\u00a0verf\u00fcgen, ist oder w\u00e4re die Herablassung nicht erforderlich. Zum Verst\u00e4ndnis der Hermeneutik Claubergs geh\u00f6rt denn auch der anhaltende Konflikt hinsichtlich der Bestimmung der Beziehung zwischen Philosophie und Theologie und l\u00e4sst sich so sehen als eine der Etappen auf dem langen Weg der selbstbewussten philosophischen \u00dcberbietungsgesten, die um die Wende zum 19. Jahrhundert ihren H\u00f6hepunkt erfahren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Alles das ist f\u00fcr Claubergs Sicht der Hermeneutik wichtig, erkl\u00e4rt aber noch nicht, weshalb er sie in seiner Logik als einen zentralen Teil ber\u00fccksichtigt. Als weiterf\u00fchrend f\u00fcr die Beantwortung dieser Frage erweist sich eine genau Analyse des Aufbaus der\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Logica vetus &amp; nova<\/em>. In einer Logiklandschaft, die dem Logikhistoriker hinsichtlich der behandelten Lehrst\u00fccke wenig aufregendes bietet, \u00e4ndert sich das, wenn man die Logiken als Ganze in den Blick nimmt: Hier nun gibt es konkurrierende Modelle, in denen mehr zum Ausdruck kommt als die Anpassung der Logikwerke an die jeweilige Ausbildungsst\u00e4tten, f\u00fcr die sie unter Umst\u00e4nden verfasst sind \u2013 vereinfacht gesagt: Es tobt bei Konstanz der Lehrst\u00fccke (die bei n\u00e4herer Betrachtung freilich auch nicht immer gegeben ist) die Auseinandersetzung im Blick auf den richtigen oder angemessenen\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Aufbau<\/em>der Logik. Zwar war das aristotelische\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Organon<\/em>\u00a0noch immer ein Muster, an dem sich auch die orientierten, die von Aristoteles abweichen wollten, aber man wusste nicht, wie sich sein Aufbau erkl\u00e4rt (dem Werk selber konnte man das nicht entnehmen), und vor allem bereitete Probleme, solche Lehrst\u00fcckgruppen unterzubringen, die sich im\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Organon<\/em>\u00a0nicht finden \u2013 etwa die Methodenlehre oder eben die Hermeneutik. Es handelt sich dabei gerade nicht um ein p\u00e4dagogisches, sondern um ein systematisches philosophisches Problem.<\/p>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Um das zu erkennen, besteht eine M\u00f6glichkeit, die in dieser Hinsicht unterschiedlichen Logiktraditionen, mit denen Clauberg Kontakt gekommen ist, zu analysieren, nicht zuletzt auch die verschiedenen ramistisch inspirierten Logikwerke. Obwohl ihr H\u00f6hepunkt zur Zeit Claubergs\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Logica vetus &amp; nova<\/em>l\u00e4ngst \u00fcberschritten ist, gibt es regionale Besonderheiten, vor allem aber hinsichtlich des Schultyps, wo sich ramistische Lehrwerke aus verschiedenen Gr\u00fcnden l\u00e4nger halten konnten (in gewisser Hinsicht geh\u00f6rt hierzu das illustre Gymnasium in Bremen, aber auch die Niederlande). Komplizierend kommt hinzu, dass bekanntlich Descartes nichts verfasst hat, was mit einem logischen Lehrwerk vergleichbar gewesen w\u00e4re (mit dem man etwa den universit\u00e4ren Unterricht h\u00e4tte gestalten k\u00f6nnen) und erschwerend hinzu kam f\u00fcr diejenigen, die eine\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">logica cartesiana<\/em>\u00a0schaffen wollten, dass sich bei ihrem philosophischen Meister mitunter sehr r\u00fcde \u00c4u\u00dferungen \u00fcber die (traditionelle) Logik finden. Es wundert denn auch nicht, dass sich bei dem Versuch, eine\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">logica cartesiana<\/em>\u00a0zu gestalten, verschiedene Traditionen verzweigen. Eine davon nimmt ihren Ausgang von Claubergs\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Logica vetus &amp; nova<\/em>, die aber auch noch auf die Logikproduktion zu wirken vermochte, wenn sie l\u00e4ngst mit dezidiert kritischen Einstellungen zur (bestimmten Elementen) der Philosophie Descartes\u2019 begeleitet wurde. Daher soll in dem Projekt auch den Spuren der Wirkung der\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Logica vetus &amp; nova<\/em>\u00a0nachgegangen werden: Es gibt direkte\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Imitationen<\/em>, ohne das kenntlich zu machen, es gibt\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Kommentare<\/em>, es gibt aber mehr noch Adapationen an das Aufbaumuster, wobei nicht das gerade nicht hei\u00dft, dass man die gleichen Gr\u00fcnden wie Clauberg f\u00fcr diesen Typ des Aufbau der Logik gehabt oder zugestimmt h\u00e4tte \u2013 ebenso wie es bei den nichtramistischen Logiken die Hermeneutik gemessen am aristotelischen\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Organon<\/em>\u00a0wohl immer denselben Platz erh\u00e4lt (bei Keckermann oder Dannhauer und auch bei Clauberg), aber bei wesentlich unterschiedlichen Begr\u00fcndungen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Freilich kann diese n\u00e4here Betrachtung der Logiktradition und anderer Aspekte der epistemischen Situation Claubergs bei der Schaffung seiner\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Logica vetus &amp; nova<\/em>\u00a0das Problem sch\u00e4rfer konturieren, letztlich l\u00f6sen indes auch nicht. Dazu scheint es dann des R\u00fcckgriffs auf Clauberg als Theologe zu bed\u00fcrfen, der dann von der nur einteiligen ersten Fassung der Logik (ohne Hermeneutik) zu der sp\u00e4teren vierteiligen Fassung von 1654. Ein letzter Umstand scheint die Erfolgsaussichten des ganzen Unternehmen stark zu beeintr\u00e4chtigen: Weder von seiner ,gro\u00dfen\u2019 Logik,\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Logica vetus &amp; nova<\/em>, noch von seiner kleinen,\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Logica<\/em><em style=\"font-weight: inherit;\">contracta<\/em>, die im \u00fcbrigen zu Claubergs Lebzeiten immer anonym erscheinen ist, gibt es die erste Auflage bzw. Dei erste Fassung; sie scheinen\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">beide<\/em>\u00a0verschollen zu sein. Das, was offensichtlich ist, ist, dass sich seine ,gro\u00dfe\u2019 Logik massiv ver\u00e4ndert hat in einem ganz kurzen Zeitraum; seine ,kleine\u2019 Logik von Anbeginn und sp\u00e4ter hingegen keinen Part zur Hermeneutik enth\u00e4lt. Das macht das ganze Unternehmen zu einer gleichsam detektivischen Spurensuche, die das eine oder andere im Hypothetischen belassen muss. Zugleich bietet es so aber auch einen intellektuellen Reiz: Sollte ein Findiger die jeweils ersten Fassungen seiner Logikwerke aus irgendeiner Bibliothek ans Licht ziehen, so w\u00e4re es sch\u00f6n, wenn das nur zu Modifikationen der Ergebnisse des Projekts f\u00fchren w\u00fcrde; aber vermutlich ist das bei einem so schwierigen Unternehmen schon eine unrealistische Hoffung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\"><span style=\"font-weight: bold; font-style: inherit; color: #666666;\"><span style=\"font-style: inherit;\"><em style=\"font-weight: inherit;\"><br \/>\nVerkn\u00fcpfungen<\/em><\/span><\/span><\/p>\n<ul style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">\n<li style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\"><a style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit; color: #333333;\" title=\"Der ordo inversus in Hermeneutik und Naturphilosophie\" href=\"https:\/\/fheh.org\/?page_id=405\">Der\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">ordo inversus<\/em>\u00a0in Hermeneutik und Naturphilosophie<\/a><\/li>\n<li style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\"><a title=\"Hermeneutik um 1600: logica und probatio theologica\" href=\"https:\/\/fheh.org\/?page_id=418\"><span style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Hermeneutik um 1600:\u00a0<\/span><em style=\"font-weight: inherit;\">Logica<\/em><span style=\"color: #333333;\"><span style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">\u00a0und\u00a0<\/span><\/span><em style=\"font-weight: inherit;\">probatio<\/em><span style=\"color: #333333;\"><span style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">\u00a0<\/span><\/span><em style=\"font-weight: inherit;\">theologica<\/em><\/a><\/li>\n<li style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\"><a style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit; color: #333333;\" title=\"Hermeneutik um 1700: philologia sacra und hermeneutica iuris\" href=\"https:\/\/fheh.org\/?page_id=420\">Hermeneutik um 1700:\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">philologia sacra<\/em>\u00a0und\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">hermeneutica<\/em>\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">iuris<\/em><\/a><\/li>\n<li style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\"><a style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit; color: #333333;\" title=\"Auctoritas und Testimonium: Epistemologien der Glaubw\u00fcrdigkeit und des Vertrauens\" href=\"https:\/\/fheh.org\/?page_id=43\"><em style=\"font-weight: inherit;\">Auctoritas<\/em>\u00a0und\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">Testimonium<\/em>: Epistemologien der Glaubw\u00fcrdigkeit und des Vertrauens<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\"><em style=\"font-weight: inherit;\"><span style=\"font-weight: bold; font-style: inherit; color: #666666;\">Vorarbeiten<\/span><\/em><\/p>\n<ol style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">\n<li style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Lutz Danneberg, Die Auslegungslehre des Christian Thomasius in der Tradition von Logik und Hermeneutik. In: Friedrich Vollhardt (Hrg.), Christian Thomasius (1655-1728). Neue Forschungen im Kontext der Fr\u00fchaufkl\u00e4rung. T\u00fcbingen 1997 (Fr\u00fche Neuzeit 37), S. 253-316<\/li>\n<li style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">\u2013 Logik und Hermeneutik: die\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">analysis logica<\/em>\u00a0in den ramistischen Dialektiken. In: Uwe Scheffler und Klaus Wuttich (Hg.), Terminigebrauch und Folgebeziehung. Berlin 1998, S. 129-157<\/li>\n<li style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">\u2013 Schleiermacher und das Ende des Akkommodationsgedankens in der<em style=\"font-weight: inherit;\">hermeneutica sacra<\/em>\u00a0des 17. und 18. Jahrhunderts.\u00a0<span class=\"FormatvorlageAbsatzLitverzeichnisKursivCharChar\" style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">In: Ulrich Barth und Claus-Dieter Osth\u00f6vener (Hg.): 200 Jahre \u00bbReden \u00fcber die Religion\u00ab. Berlin\/New York 2000 (Schleiermacher-Archiv 19), S. 194-246<\/span><\/li>\n<li style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">\u2013 Logik und Hermeneutik im 17. Jahrhundert. In: Jan Schr\u00f6der (Hg.), Theorie der Interpretation vom Humanismus bis zur Romantik \u2013 Rechtswissenschaft, Philosophie, Theologie. Stuttgart 2001 (Contubernium 58), S. 75-131 (frz. \u00dcbersetzung: Logique et herm\u00e9neutique au XVIIe si\u00e8cle. In: Jean-Claude Gens [Hg.], La logique herm\u00e9neutique du XVIIe si\u00e8cle \u2013 J.-C. Dannhauer et J. Clauberg. Argenteil 2006, S. 15-65)<\/li>\n<li style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">\u2013 Die Anatomie des Text-K\u00f6rpers und Natur-K\u00f6rpers: das Lesen im\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">liber naturalis<\/em>\u00a0und\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">supernaturalis<\/em>. Berlin\/New York 2003<\/li>\n<li style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">\u2013 Kontroverstheologie, Schriftauslegung und Logik als\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">donum Dei<\/em>: Bartholomaeus Keckermann und die Hermeneutik auf dem Weg in die Logik. In: Sabine Beckmann und Klaus Garber (Hg.), Kulturgeschichte Preu\u00dfens k\u00f6niglich polnischen Anteils in der Fr\u00fchen Neuzeit. T\u00fcbingen 2005 (Fr\u00fche Neuzeit 103), S. 435-563<\/li>\n<li style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">\u2013 Vom\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">grammaticus<\/em>\u00a0und\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">logicus<\/em>\u00a0\u00fcber den\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">analyticus<\/em>\u00a0zum\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">hermeneuticus<\/em>. In: J\u00f6rg Sch\u00f6nert und Friedrich Vollhardt (Hg.), Geschichte der Hermeneutik und die Methodik der textinterpretierenden Disziplinen. Berlin\/New York 2005 (Historia Hermeneutica. Series I: Studia 1), S. 255-337<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Kontakt:\u00a0<a style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit; color: #333333;\" title=\"Danneberg, Lutz\" href=\"https:\/\/fheh.org\/?page_id=2237\">Lutz Danneberg<\/a><\/p>\n<\/div>\n<footer class=\"entry-footer\" style=\"color: rgba(51, 51, 51, 0.701961);\"><span class=\"posted-on\" style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\"><span class=\"screen-reader-text\" style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Ver\u00f6ffentlic<\/span><\/span><\/footer>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bearbeitung: Lutz Danneberg Johann Claubergs Lebensspanne f\u00e4llt in eine Zeit an\u00adhal\u00adtender konfes\u00adsioneller und machtpolitischer Kon\u00adflikte in Mitteleuropa. Der Drei\u00ad\u00dfig\u00adj\u00e4hrige Krieg, der wech\u00adselweise die L\u00e4nder des Deut\u00adschen Reiches in Mitleidenschaft zieht und dabei zahl\u00adreiche Ge\u00adlehrte zur Flucht treibt oder ex\u00adpatriiert, ist fortw\u00e4hrend pr\u00e4sent. 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