{"id":3027,"date":"2017-01-17T14:58:41","date_gmt":"2017-01-17T13:58:41","guid":{"rendered":"http:\/\/fheh.org\/?page_id=3027"},"modified":"2017-01-17T15:11:38","modified_gmt":"2017-01-17T14:11:38","slug":"fritz-martini-ein-literaturwissenschaftlicher-autor-waehrend-und-nach-der-ns-zeit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/fheh.org\/?page_id=3027","title":{"rendered":"Fritz Martini. Ein literaturwissenschaftlicher Autor w\u00e4hrend und nach der NS-Zeit"},"content":{"rendered":"<p class=\"western\" align=\"justify\"><strong>Bearbeiter<\/strong>:<a href=\"https:\/\/fheh.org\/?page_id=2967\"> Jens Krumeich<\/a><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-3035 alignleft\" src=\"https:\/\/fheh.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/GermaneMartini-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" \/>Fritz Martini (1909\u20131991) gilt als schillernde Figur in der deutschen Literaturwissenschaft der Nachkriegszeit: Er ist der \u201eber\u00fchmte Autor\u201c (Erich Rothacker) der popul\u00e4ren und in viele Sprachen \u00fcbersetzten<i> Deutschen Literaturgeschichte von den Anf\u00e4ngen bis zur Gegenwart<\/i> (1949). Er edierte unter anderem die Werke Wielands und begr\u00fcndete das <i>Jahrbuch der Deutschen Schiller-Gesellschaft,<\/i> dessen Herausgeber er lange Jahre blieb. Au\u00dferdem agierte er als wichtiger wissenschaftspolitischer Funktion\u00e4r in zahlreichen renommierten Institutionen wie etwa der Schiller-Gesellschaft, der Goethe-Gesellschaft oder der Germanistischen Kommission innerhalb der DFG. Der 1934 beim Staatsgermanisten Julius Petersen promovierte und 1939 in Hamburg bei Robert Petsch habilitierte Germanist war seit 1933 NSDAP-Mitglied. Zehn Jahre sp\u00e4ter erfolgte der Ruf an die TH Stuttgart (Nachfolge Hermann Pongs), wo er auch \u00fcber die Grenze von 1945 hinaus bis zu seiner Emeritierung 1974 zun\u00e4chst als au\u00dferordentlicher, sp\u00e4ter als ordentlicher Professor wirkte.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Obgleich Martini in der Forschung oft als Beispiel f\u00fcr eine nach dem Dritten Reich bruchlos fortgesetzten Karriere gehandelt wird, was zweifelsohne nur mithilfe wissenschaftlicher und wissenschaftspolitischer Anpassungsf\u00e4higkeit gelingen konnte, ist meist ein apologetischer Ton vorherrschend. Es wird stets herausgestrichen, dass Martini der exilierten j\u00fcdischen Wissenschaftlerin K\u00e4te Hamburger die R\u00fcckkehr in den wissenschaftlichen Betrieb Deutschlands und 1957 die Habilitation erm\u00f6glichte. Weniger Beachtung finden hingegen nicht nur seine Verstrickungen in der Nationalsozialismus oder auch sein Engagement f\u00fcr die Berufung des politisch stark belasteten Hans Schwertes, alias Hans Ernst Schneider. Auch und vor allem seine bisweilen stark v\u00f6lkischen, mitunter auch antisemitischen Arbeiten wie etwa sein Beitrag f\u00fcr die Buchreihe \u201eVon Deutscher Art in Sprache und Dichtung\u201c (1941), deren Entstehen auf den \u201eKriegseinsatz der Deutschen Geisteswissenschaften\u201c zur\u00fcckgeht, werden kaum ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Das Projekt wendet sich diesem Desiderat zu und r\u00fcckt mehr als die Biographie seine wissenschaftlichen Arbeiten zur Zeit des Nationalsozialismus in den Fokus des Interesses. Texte wie \u201eWerden und Wesen der \u201aDeutschen Bewegung\u2018\u201c (1937), \u201eVerfall und Neuordnung in der deutschen Dichtung seit dem 19. Jahrhundert\u201c (1941) oder \u201eDer Mensch in Hebbels Trag\u00f6die\u201c (1942) werden einer detailgenauen philologisch-hermeneutischen und historisch kontextualisierenden Lekt\u00fcre unterzogen. Auf der Analyse seiner spezifischen Schreibstrategien und Argumentationsmuster aufbauend, soll die weltanschauliche Position Martinis im Zusammenhang seiner Rolle im Nationalsozialismus untersucht werden. Die Bruchlosigkeit von Martinis Karriere bis zu seiner Emeritierung und dar\u00fcber hinaus erlaubt es zudem, nach Kontinuit\u00e4t und Wandel von Forschungsinteressen, Argumentationsverfahren und Deutungsweisen zu fanden. Methodische Orientierung soll dabei Pierre Bourdieus Heidegger-Studie <i>Die politische Ontologie Martin Heideggers <\/i>(1976) geben, in der der franz\u00f6sische Soziologie das Werk Heideggers auf NS-ideologische Impr\u00e4gnierungen pr\u00fcft. Das Projekt siedelt sich insgesamt im Rahmen einer Fachgeschichte an, die aus genuin philologischer Perspektive nach den \u00dcberzeugungen und Anpassungsleistungen im Spannungsfeld variabler Verhaltens- und Karriereoptionen fragt: Wie passen sich Wissenschaftler an die Zeitumst\u00e4nde an? Welche Positionen nehmen sie ein? Wie unterscheiden sich Texte zu \u00e4hnlichen Themen vor und nach 1945?<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><a href=\"https:\/\/fheh.org\/?page_id=2471\">DFG-Projekt NS-Wissenschaft<\/a><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bearbeiter: Jens Krumeich Fritz Martini (1909\u20131991) gilt als schillernde Figur in der deutschen Literaturwissenschaft der Nachkriegszeit: Er ist der \u201eber\u00fchmte Autor\u201c (Erich Rothacker) der popul\u00e4ren und in viele Sprachen \u00fcbersetzten Deutschen Literaturgeschichte von den Anf\u00e4ngen bis zur Gegenwart (1949). 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