{"id":2465,"date":"2016-07-11T11:51:24","date_gmt":"2016-07-11T09:51:24","guid":{"rendered":"http:\/\/serverle.ilw.uni-stuttgart.de\/fheh\/?page_id=2465"},"modified":"2017-02-11T13:12:01","modified_gmt":"2017-02-11T12:12:01","slug":"max-bense","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/fheh.org\/?page_id=2465","title":{"rendered":"Max Bense \u2013 Journalistische und philosophische Beitr\u00e4ge zwischen 1930 und 1950"},"content":{"rendered":"<p>Bearbeiterin: <a title=\"Skowronski, Alexandra\" href=\"https:\/\/fheh.org\/?page_id=2278\">Alexandra Skowronski<\/a><\/p>\n<p>Das Projekt konzentriert sich auf fr\u00fche Texte Max Benses (1910\u20131990), der in den 1930er und 1940er Jahren sowohl als Naturwissenschaftler als auch als Philosoph in Deutschland zu re\u00fcssieren sucht. Bense ist kein Nationalsozialist, gibt aber ein signifikantes Beispiel f\u00fcr zeittypische Anpassungen und ambivalente Rollenprofile im nationalsozialistischen System ab. Bense promoviert 1937 bei Oskar Becker \u00fcber \u201eQuantenmechanik und Daseinsrelativit\u00e4t\u201c und bem\u00fcht sich, da er im Unterschied zu anderen \u201aNutznie\u00dfern\u2018 des nationalsozialistischen Wissenschaftssystems noch nicht fest im akademischen Umfeld etabliert ist, jenseits des akademischen Wegs um Visibilit\u00e4t. Entsprechend verfasst er in den 1930er und 1940er Jahren ein breites Spektrum an Texten: Als popularisierender Wissenschaftsjournalist ver\u00f6ffentlicht er vornehmlich in der K\u00f6lnischen Zeitung zahlreiche Artikel zu naturwissenschaftlichen Themen, etwa zur modernen Physik, aber auch zu philosophischen Neuerscheinungen, wobei unter anderem sein h\u00e4ufiger und positiver Bezug auf die internationale Philosophie auff\u00e4llt. Zugleich publiziert er etliche umfangreichere philosophische Abhandlungen. So polemisiert er etwa in der wortgewaltigen Schrift Anti-Klages oder Von der W\u00fcrde des Menschen (1937) gegen Ludwig Klages, pl\u00e4diert in dem hermetisch erscheinenden Text Die abendl\u00e4ndische Leidenschaft oder Zur Kritik der Existenz (1938) f\u00fcr eine Form der Synthese von Geist und Leben, schreibt Vom Wesen deutscher Denker oder Zwischen Kritik und Imperativ (1938), schafft mit der Einleitung in die Philosophie. Eine Ein\u00fcbung des Geistes (1941) oder Aus der Philosophie der Gegenwart (1941) kleinere \u00dcberblickswerke oder beteiligt sich u.a. mit S\u00f6ren Kierkegaard. Leben im Geist (1942) an der Kierkegaard-Renaissance der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts. Diese fr\u00fchen Schriften des kaum 30-j\u00e4hrigen Bense sind bislang nur punktuell bearbeitet und beispielsweise in der vierb\u00e4ndigen Ausgabe ausgew\u00e4hlter Schriften (Max Bense: Ausgew\u00e4hlte Schriften in vier B\u00e4nden. Herausgegeben und mit Einleitung, 2 Anmerkungen und Register versehen von Elisabeth Walther, Stuttgart 1997\/98) nahezu g\u00e4nzlich ausgeklammert. Zwar lie\u00dfen sich diese Texte ideologiekritisch lesen und auf Benses Affinit\u00e4t oder auch Abstand zum Nationalsozialismus hin befragen. Weiterf\u00fchrender aber ist vor dem Hintergrund des kontroversen nationalsozialistischen Wissenschaftsbegriffs die Frage, wie Bense mit den politischen Vorgaben intellektuell umgeht und sich und seiner Agenda im \u201e\u00dcberzeugungssystem\u201c Nationalsozialismus Geh\u00f6r zu verschaffen sucht. Diese Frage soll im Rahmen einer dezidiert literaturwissenschaftlich-philologischen Lekt\u00fcre, die auch die rhetorischen Strategien und Argumentationsmuster zu ber\u00fccksichtigen wei\u00df, er\u00f6rtert werden. Unterst\u00fctzt wird die Untersuchung der Texte Benses durch eine vergleichende Perspektive auf andere philosophische Schriftsteller der Zeit, etwa J\u00fcrgen von Kempski, und andere Disziplinen, etwa die National\u00f6konomie. In methodischer Hinsicht steht die \u00fcber die Untersuchung Benses hinausgehende hermeneutische Frage nach dem Umgang mit Texten aus der Zeit des Nationalsozialismus im Mittelpunkt. Wie l\u00e4sst sich eine \u00fcber Paraphrase und Rekonstruktion hinausgehende analytische Perspektive auf diese Texte gewinnen? Wie rechtfertigt und hierarchisiert man als Interpret die f\u00fcr die Bedeutungszuschreibung relevanten Kontexte? Welche rhetorischen Strategien und Argumentationsfiguren, Subtexte und Anschlussstellen oder auch camouflierte Signale des Widerstands lassen sich philologisch-hermeneutisch erfassen? Das Erkenntnisziel der Arbeit liegt darin, Benses Position im Rahmen des Streits um die \u201eradikal mit der Tradition brechende\u201c, an der \u201edeutschen Linie des Denkens und F\u00fchlens\u201c orientierte Wissenschaftsauffassung der Nationalsozialisten zu bestimmen und so an einem signifikanten Beispiel Aussagen \u00fcber Verhaltensstrategien und Karrierewege w\u00e4hrend des Nationalsozialismus zu treffen. Max Bense ist daf\u00fcr nicht zuletzt deshalb ein geeignetes Beispiel, weil er \u00fcber die vermeintliche Z\u00e4sur von 1945 hinweg produktiv bleibt und sich schlie\u00dflich auch akademisch etablieren kann.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/fheh.org\/?page_id=2471\">Zum DFG-Projekt NS-Wissenschaft<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bearbeiterin: Alexandra Skowronski Das Projekt konzentriert sich auf fr\u00fche Texte Max Benses (1910\u20131990), der in den 1930er und 1940er Jahren sowohl als Naturwissenschaftler als auch als Philosoph in Deutschland zu re\u00fcssieren sucht. Bense ist kein Nationalsozialist, gibt aber ein signifikantes Beispiel f\u00fcr zeittypische Anpassungen und ambivalente Rollenprofile im nationalsozialistischen System ab. 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