{"id":1569,"date":"2015-01-04T17:17:26","date_gmt":"2015-01-04T16:17:26","guid":{"rendered":"http:\/\/serverle.ilw.uni-stuttgart.de\/fheh\/?page_id=1569"},"modified":"2015-01-04T17:17:26","modified_gmt":"2015-01-04T16:17:26","slug":"uebersichtsdarstellung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/fheh.org\/?page_id=1569","title":{"rendered":"\u00dcbersichtsdarstellung"},"content":{"rendered":"<div class=\"entry-content\" style=\"color: #333333;\">\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Das Projekt der Analyse und Erprobung wissenschaftshistoriographischer Konzepte resultiert aus einem Unzufriedenheit angesichts zahlreicher Instrumente bisheriger Wissenschaftsgeschichtsschreibung sowie einem Mi\u00dfbehagen angesichts der Reflexion dieser Instrumente. Um dieses Mi\u00dfbehagen plakativ auszudr\u00fccken: Es gibt eine Vielzahl von Konzepten \u2013 so wollen wir diese Instrumente nennen \u2013, die offenbar wichtige wissenschaftshistorische Aspekte kognitiver Prozesse beschreiben oder sogar in Ans\u00e4tzen zu erkl\u00e4ren versuchen, die in konkreten Untersuchungen jedoch nur selten im Verbund strukturierend wirken. Mitunter wird eines dieser Konzepte sogar mit dem Anspruch der Exklusivit\u00e4t verwendet. Solche Instrumente, die wir meinen, sind zum Beispiel Stil, Schule, Disziplin, Kontinuit\u00e4t, Diskontinuit\u00e4t, Generation, System, Fortschritt, Paradigma, Tradition, Vorl\u00e4ufer, Ruhm, wissenschaftliches Forschungsprogramm, Problem, Leit-Ideen, Theorie,\u00a0<em style=\"font-weight: inherit;\">tacit knowledge<\/em>, empirische Daten, Hintergrundwissen, operationales Wissen, Rezeption, Konkurrenz, Wissenstransfer, Popularisierung, Dissens, Konsens, aber auch Institut, Labor, Raum, Netzwerkoder Transdiziplinarit\u00e4t \u2013 um eine beliebig fortzusetzende, betont bunte Reihe abzuschlie\u00dfen. Zumindest ein Teil der genannten Konzepte l\u00e4sst sich als konkurrierend auffassen, andere befinden sich auf recht unterschiedlichen ,Ebenen\u2019 der Beschreibung oder Erkl\u00e4rung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Das zentrale Ziel des Projekts besteht darin, jeweils eine Auswahl derartiger Konzepte vergleichend zu untersuchen, miteinander zu konfrontieren und in ihren Grenzen, aber auch Leistungen zu bestimmen. Das soll unter vier Schritten oder Gesichtspunkten geschehen. In einem ersten Schritt ist zu kl\u00e4ren, in welcher Beziehung wissenschaftshistoriographische Konzepte untereinander stehen. Ein zweiter Schritt hat zu untersuchen, wie sie sich so explizieren lassen, da\u00df sie zu tauglichen und praktikablen Arbeitsinstrumenten des Wissenschaftshistorikers werden, was dann zumindest zu einer Unterscheidung zwischen beschreibenden, deutenden und erkl\u00e4renden Konzepten f\u00fchrt. Der dritte Gesichtspunkt orientiert das Projekt auf die spezifischen Leistungen f\u00fcr eine wissenschaftshistorische Untersuchung, die ein solches Konzept erbringt oder zu erbringen beansprucht. Schlie\u00dflich stellt sich viertens die Frage, wie solche Instrumente in der Lage erscheinen, die zeitliche Abfolge kognitiver Produkte zu strukturieren, die sich in unterschiedlicher materialer Gestalt darbieten, und in welcher Weise sie Beziehungen zwischen den kognitiven Produkten sowie zu dem, was nicht als kognitives Produkt erscheint, stiften \u2013 wie sich also Beziehungen zwischen Wissensanspr\u00fcchen und den Konditionen ihrer Erzeugung einerseits und ihrer mehr oder weniger materialen Umgebung andererseits herstellen lassen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Der Ausgangspunkt der Analysen bildet die Orientierung an Fragen nach der Verwendbarkeit solcher Konzepte f\u00fcr das konkrete Verfassen von wissenschaftshistorischen Texten und der sich dabei stellenden Probleme. Die \u00fcbergreifenden, mitunter schwindelige H\u00f6hen erklimmenden Deutungsannahmen sind insofern von Interesse sind, als sich Spuren von ihnen in den analysierten Konzepten finden. Das Ziel besteht freilich nicht darin, ,Systeme\u2019 oder ,Netzwerke\u2019 von Instrumenten zu generieren, die eine gleichsam statische Verkn\u00fcpfung der analysierten und rekonstruierten Konzepte bieten. Schon deshalb scheint das kein akzeptables Ziel zu sein, da sich immer wieder zeigt, da\u00df die Analyse dieser Konzepte und ihre Verwandlung in Instrumente nur problemorientiert erfolgen kann. Ein als ,System\u2019 gef\u00fcgter Baukasten wissenschaftshistorischer Instrumente w\u00fcrde erfordern, da\u00df sich Problementwicklungen still stellen lassen oder da\u00df es ein verbindliches Problemgef\u00fcge f\u00fcr alle wissenschaftshistorischen Untersuchungen gibt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Zu den gr\u00f6\u00dften Schwierigkeiten bei der Realisierung eines solchen Projekts geh\u00f6rt die eminente Text-Gebundenheit nicht weniger der einschl\u00e4gigen Konzepte. Das meint, da\u00df sie oftmals besonders eng an die pr\u00e4genden Situation und Konstellationen ihrer Einf\u00fchrung in wissenschaftshistorischen Untersuchungen gebunden erscheinen. Zugleich bedeutet das, da\u00df zahlreiche ihrer Eigenschaften nicht explizit gemacht werden, sondern da\u00df die gesamte einf\u00fchrende Untersuchung oder Situation ihrer Pr\u00e4gungn ihren Gehalt wie ihre Eigenschaften bestimmt. Und nicht selten richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Konzepte, erst dann, wenn die Ergebnisse solcher Untersuchungen, an denen diese Konzepte beteilitgt sind, unplausibel erscheinen; klassische Beispiele daf\u00fcr sind das Paradigmakonzept, das Konzept der Inkommensurabilit\u00e4t kognitiver Gro\u00dfeinheiten oder das des Diskurses. Die Analyse erschwert denn auch nicht selten der Umstand, dass die verwendeten Konzepte selbst an der Erzeugung der Plausibilit\u00e4t der mit ihnen gestalteten Narrationen beteiligt sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">So gro\u00df der Gewinn solcher Selbstautorisierungen mit der Bindung an musterhafte Narrationen am Beginn der Karriere eines neu generierten wissenschaftshistoriographischen Konzepts auch sein mag, solche bindungshaften Konzepte erleben in er Rgel ihren ebenso rasanten Abstieg im Zuge ihrer nichtexplizierenden Reproduktion und Aufnahme, indem sie immer mehr verbreitet und zerredet werden. Am Ende steht, dass ihre in bestimmten Kontexten durchaus gegebene erhellende Wirkung, auf diesen Wegen der Kontextualisierung im Zuge ihrer Trivialisierung verloren zu gehen droht \u2013 und wenn die Bringschuld der Analyse bei ihrer entlehnenden Verwendung \u00fcber l\u00e4ngere Zeit nicht erbracht wird, dann erhalten sie die Markierung von Unprofessionalit\u00e4t oder Uninformiertheit; sie werden zum Bodensatz gealterter Wissensbest\u00e4nde, bei denen man sich mittlerweile h\u00fcten muss, sie aufzunehmen, will man nicht Zeichen der Inkompetenz verbreiten. Freilich noch weniger attraktiv erscheint, wenn die Aufnahme der betreffenden Konzepte und ihre Anwendung sie in \u00fcbergreifende Deutungskonzepte verwandelt. Sie werden zwar von ihrer Einf\u00fchrungsgeschichte abgel\u00f6st, doch diese Abl\u00f6sung hat nicht selten zur Folge, dass sie gleichsam freischwebend erscheinen. Mit ihrer Abl\u00f6sung verlieren sie ihre ,empirische\u2019 Verankerung, der gegen\u00fcber sie zun\u00e4chst erhellend gewesen sein m\u00f6gen. Derartige Deutungskonzepte bilden dann oftmals die Grundlage f\u00fcr eine Wissenschafts- oder Philosophiegeschichte, die nurmehr auf Sekund\u00e4r- oder Terti\u00e4rlekt\u00fcren beruhen kann, die ein dargebotenes Material, die ,erz\u00e4hlten Geschichten\u2018, gleichsam als nackte, als verb\u00fcrgte Tatsachen nimmt und sie umdeutet, indem sie sie ,gegen den Strich\u2019 liest.<\/p>\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">\n<p style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">L. Danneberg, Zur Explikation von Epochenbegriffen und zur Rekonstruktion ihrer Verwendung. In: Klaus Garber (Hg.), Europ\u00e4ische Barock-Rezeption. Bd. I. Wiesbaden 1991 (Wolfenb\u00fctteler Arbeiten zur Barockforschung 20), S. 85-94.<\/p>\n<\/div>\n<footer class=\"entry-footer\" style=\"color: rgba(51, 51, 51, 0.701961);\"><span class=\"posted-on\" style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\"><span class=\"screen-reader-text\" style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Ver\u00f6ffentlich<\/span><\/span><\/footer>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Projekt der Analyse und Erprobung wissenschaftshistoriographischer Konzepte resultiert aus einem Unzufriedenheit angesichts zahlreicher Instrumente bisheriger Wissenschaftsgeschichtsschreibung sowie einem Mi\u00dfbehagen angesichts der Reflexion dieser Instrumente. 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